Begegnung in Berlin: “Allah ist groß!”
Da denkt man nichts Böses (auch nicht an Sarrazin), und schon ist man mitten drin im Leben.
Mit meiner Gefährtin ging ich durch die Pestalozzistraße, als wir einen in Mullah-Gewändern eingehüllten Mitbürger sahen, der vor einem Grundstück stand und offenbar verzweifelt über den Zaun hinweg im Gestrüpp stocherte. Wir blieben stehen, um einfach zu sehen, was denn den Mann antrieb. Überraschend wurden wir beschimpft: “Warum stehen Sie hier? Gehen Sie weiter!”
“Wir wohnen hier und wollten sehen, ob wir Ihnen helfen können?”
“Gehört Ihnen das Grundstück? Sie sind nur Mieter. Gehen Sie weiter!”
So leicht ließen wir uns nicht abschütteln.
“Was suchen Sie denn?”
“Da liegt mein Stock drin, den will ich wiederhaben.”
Tatsächlich. Unter dem Gestrüpp lag ein Knauf-Stock, der sich trotz rudernder Bemühungen mit einem besorgten Besenstiel nicht von der Stelle rührte. Meine Gefährtin ging ein paar Meter weiter, betrat das Grundstück durch ein Gartentor, und im Nu hatte sie den Stock ergriffen und reichte ihn dem Muselmanen über den Zaun.
“Warum helfen Sie mir als Ungläubiger?” fragte er mich, während meine Gefährtin den Garten verließ. “Und dabei habe ich Sie sogar beschimpft, Entschuldigung!”
“Wir helfen gerne. Aber wieso bezeichnen Sie mich als Ungläubigen? Auch ich glaube an einen Gott!”
“Es gibt keinen Gott. Das ist der falsche Name. Es gibt nur Allah. Nur die Ungläubigen bezeichnen Allah als Gott.”
“Wenn Sie Ihren Sohn “Ibrahim” nennen und ich meinen Sohn “Wolfgang”, so hindert das uns nicht daran, unsere Söhne gleichwohl zu lieben.
Ob wir den Einen Gott als solchen bezeichnen oder ihn als “Allah” anrufen, spielt das eine Rolle? Verehren nicht Juden, Muslime und Christen ein und denselben Gott?”
“Nein, das ist nicht so. Allah ist der Einzige. Wer nicht an Allah glaubt und seine Macht anerkennt, ist ungläubig. Glaubt Ihr an Allah?”
“Wir glauben an Gott!”
“Dann seid ihr ungläubig!”
Meine Gefährtin will die aufkeimende Spannung abbauen, fragt, wie denn der Stock in den Garten gelangt sei. Etwas zerknirscht räumt er ein, er habe am Vorabend “etwas zu viel getrunken” und den Stock über den Zaun geworfen. Etwas seltsam, denn wenig später schimpft er auf seinen Vater, der oft betrunken gewesen sei.
Wir hatten ihn zuvor gefragt, warum er denn hier lebe, wenn er unglücklich sei, unter so vielen Ungläubigen zu leben?
Sein Vater sei dem Ruf der Kapitalisten gefolgt und sei darum sündig geworden. Er werde dieses Land in Kürze verlassen, weil er dieses Land hasse, und nach Syrien gehen.
“Waren Sie schon in Syrien?”
“Nein,” sagen wir, “wir haben nicht das Geld dafür.” Fast verächtlich zuckt er mit den Schultern: “Das ist doch kein Hindernis!”
Wir beenden die fruchtlos werdende Diskussion und verabschieden uns freundlich. Im Gegensatz zu uns scheint der “Mullah” nicht ratlos. Mit großzügiger Geste hebt er die Hand zum Gruß. Funkelten seine Augen siegessicher?
In diesen Minuten in einer Straße in Charlottenburg rückt uns der Bürgermeister von Neukölln wieder ein Stück näher, verstehen wir die Aussagen von Thilo Sarrazin etwas besser. Aber wir sind ja mit dem Buch noch nicht ganz fertig…


