Hungerstreik gegen Israel
Eben komme ich von Firas Maraghy, der in der August-Viktoria-Straße schräg gegenüber der Israelischen Botschaft seit 39 (!) Tagen einen Hungerstreik durchführt.
Ich mache mir Sorgen. Firas sieht man jeden Tag mehr die Strapaze seines berechtigten Protestes an. Hohlwangiger sieht er aus. Die hagere Gestalt wirkt noch hagerer angesichts seiner Größe von über 1,80 Metern. Aber seine Augen blitzen immer noch voll Überzeugung und Gewißheit, sein Ziel zu erreichen. Und seine acht Monate alte Tochter gluckst laut, als wolle sie dem Vater schon jetzt Dank sagen für sein Engagement, das auch ihrer Zukunft gelten soll. Die Ehefrau und Mutter Wiebke lächelt ihrem Mann zu. Und ich bin mir nicht mehr sicher, ob dieses Lächeln noch so frei von Sorgen um das Leben ihres Mannes ist. Auch wenn die ebenso tapfere Deutsche alles vermeidet, was ihrem palästinensischen Mann den Mut nehmen könnte.
Aber wir, Unterstützer und Freunde, sprechen am Rande nun doch über die Möglichkeiten, die sich “danach” ergeben könnten, müssten. Meiner Idee, den von der Botschaft vermutlich erleichternd zur Kenntnis genommenen Zusammenbruch von Firas Maraghy mit einer unmittelbaren Fortsetzung des Hungerstreiks durch eine weitere Person zu begegnen, wird mit großer Zustimmung bedacht. Und ich stelle mir die Frage , ob ich nicht vielleicht …? Schließlich habe ich doch schon einige Hungerstreiks durchgeführt.
Bei aller Sympathie für das berechtigte Anliegen von Firas, ein dauerndes Heimatrecht in seiner Geburtsstadt Jerusalem zu erhalten: Als Deutscher verbietet sich mir ein Hungerstreik gegen Israel, aus welchen Gründen auch immer. Ich stehe nicht in der Schuld, aber in der historischen Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk. Das “Warum” brauche ich nicht zu erklären.
Aber mit ganzem Herzen, mit Wort und Schrift werde ich weiter dafür eintreten, dass Firas Maraghy seine zustehenden Rechte erhält. Das Israel begreifen möge, dass menschliche Entscheidungen keine Schwäche, sondern eine große Stärke sein können. Israel ist souverän, es sollte souverän handeln. Dieser Staat hat es nicht nötig, sich an den Diktaturen dieser Welt zu orientieren, seine tatsächliche Macht in allen Nuancen auszuspielen. Dieser Staat kämpft seit Jahrzehnten gegen den erklärten Willen seiner wirkliche Feinde, ihn zu vernichten. Das sollte Israel nicht daran hindern, auf dem Boden seiner historischen traumatischen Erfahrungen für die Rechte von Menschen einzutreten, auch für die eines Firas Maraghy, dessen Familie seit über 150 Jahren auch in Jerusalem wohnt.
http://www.tvb.de/newsmeldung/datum/2010/09/02/hungerstreik-vor-israels-botschaft.html
http://www.tagesspiegel.de/autoren/Richard+Szklorz
http://www.jungewelt.de/2010/08-26/005.php
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,711297,00.html
http://www.fr-online.de/panorama/nahostkonflikt-im-villenviertel/-/1472782/4554498/-/inde
http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/wie-der-nahostkonflikt-in-den-grunewald-kam/
http://www.neues-deutschland.de/artikel/176860.palaestinenser-im-hungerstreik.html
http://www.freitag.de/alltag/1033-hunger-nach-heimat
http://www.pressrelations.de/new/standard/dereferrer.cfm?r=421949
http://www.hagalil.com/archiv/2010/08/16/jerusalem-17/
http://www.welt.de/vermischtes/article9296634/Palaestinenser-hungert-fuer-Einreise-nach-Israel.html
http://www.sarsura-syrien.de/hungerstreik-fuer-familienzusammenfuehrung-4319.html
http://www.moz.de/nachrichten/berlin/artikel-ansicht/dg/0/1/251601/
Wenn sich alle so einsetzen würden wie Herr Holzapfel, würde es viel mehr Gerechtigkeit in dieser Gesellschaft geben. Die Politik tut schon lange nichts mehr und wenn man seine Meinung sagt, wie Herr Sarazin, fallen sie noch über ihn her. Die Demokratie wird ganz langsam abgebaut und es hat sich in den letzten zehn Jahren so verschlechtert, dass man denkt, man bekommt so langsam die DDR zurück. Die Führung, die zur Zeit im Kanzleramt ist, ist schon ein Vorbote der ehemaligen DDR.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Slominski