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Archive for the ‘Gedenkstätten’ Category

Hakenkreuzfahnen in Sachsenhausen und Buchenwald?

18. April 2011 1 Kommentar

Buchenwald/Berlin, 18.04.2011 – Diese Provokation wäre in der Tat kaum denkbar:
Neo-Nazis marschieren mit Hakenkreuzfahnen in den Gedenkstätten und ehemalige KZs Sachsenhausen und Buchenwald auf, um „ihrer“ Toten zu gedenken. Berechtigte Aufschreie der Entrüstung würden durch das Land gellen. Darum lassen die Neo-Nazis solche Aufzüge gleich unter den Tisch fallen und marschieren lieber provokant durch Wunsiedel in Bayern oder anderswo.

"Bau auf, bau auf..." - ein neuerliches KZ für politisch Andersdenkende?


So weit, so gut? Fehlanzeige.

Denn wie auf den hier veröffentlichten Fotos zu sehen, marschieren junge Leute unter den Fahnen der DDR, der DKP oder auch der Partei DIE LINKE ungestört im ehemaligen KZ Buchenwald zum 66. Tag der Befreiung auf, um ihrer staatlich finanzierten AntiFa-Beweispflicht nachzukommen. Dass sie an einem Ort demonstrieren, an dem tausende Unschuldiger unter den Kommunisten nach 1945 ermordet wurden oder jämmerlich verreckten, wissen diese Unwissenden augenscheinlich nicht. Oder sie wollen es nicht wissen. Weil sie nicht dafür vom Staat ausgehalten werden, gegen einstige staatliche Verbrechen zu demonstrieren und an die unschuldigen Opfer zu erinnern.

Ignoranz der eigenen Verbrechen oder (gezielte) Verdummung?


Sie demonstrieren gegen eine längst imaginäre faschistische Gefahr, weil ihre Auftraggeber von der vorhandenen Gefahr von LINKS durch den Schrei gegen RECHTS ablenken wollen. In kaum einem Landesparlament sitzt eine rechte Partei, während die LINKE nahezu in allen Landesparlamenten und im Bundestag fest etabliert ist und sich Dank der SPD an Regierungen beteiligen darf.
Solange aber DIE LINKE in größter Selbstverständlichkeit ehemalige Mitarbeiter und Zuträger des einstigen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR für ministrabel hält, diese in Richter- und Polizeiämtern toleriert oder gar zu Fraktionsvorsitzenden macht oder mit anderen Parteiämtern belegt, solange DIE LINKE als Parteiorganisation eine Kommunistische Plattform in ihren Reihen duldet und damit die Suche nach dem richtigen Weg zum Kommunismus nachhaltig illustriert, solange sind diese Auftritte ihre Jungvolkes in Buchenwald oder anderswo eine lebende, schreiende, anklagende Provokation.

"Auferstanden aus Ruinen und der Vergangenheit zugewandt?" Muss man dafür in Buchenwald Flagge zeigen?


Im Gegensatz zur SPD hat sich die CDU aller Anbiederungen an (rechts)extreme Gruppierungen enthalten, ist der Versuchung zum Machterhalt um jeden Preis nicht erlegen. Vielleicht stellt sie auch deswegen seit sechs Jahren (wieder) den Bundeskanzler(in)? Aber auch die CDU sollte ernsthaft überlegen, ob sie sich nicht diesen unerträglichen Provokationen von LINKS endlich stellt, statt diese zu ignorieren und Überlegungen anzustellen, die SPD ideologisch auf der linken Seite zu überholen. Das könnte sich eines Tages bitter rächen. Vor lauter Krampf nach RECHTS haben wir dann den Kampf gegen LINKS sträflich übersehen und wachen wieder in einer Diktatur auf. Dann wehen wohlmöglich in Sachsenhausen und Buchenwald die Fahnen wieder offiziell, die gegenwärtig durch willige Helfershelfer durch Handbetrieb geschwungen werden.

Und die Schreie neuer Opfer verhallen wohlmöglich in den neuen oder wiederbelebten Folterkellern, weil der rechtzeitige Aufschrei der dann beseitigten demokratischen Ordnung unterblieben war. Nur Schwarzmalerei oder eher düstere Aussichten?

Die Bilder aus Buchenwald sollten uns nachdenklich machen, bevor es wieder einmal zu spät ist.

Fotos: © 2011 by Dirk Jungnickel, Berlin – Textung: Mauerdemonstrant

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Morsche Gedanken

11. Dezember 2009 1 Kommentar

Etwas deplaziert mitten in Potsdam sahen sie ja aus, die beiden Männer in ihren Wattejacken aus dem sibirischen Straflager Workuta, die einstigen Strafgefangenen-Nummern auf dem Rücken und auf der Fellmütze. Um sie herum weitere einst politisch Verfolgte und Zeitzeugen aus dieser Zeit. Auf den zweiten Blick entdeckte man hinter einem neumodisch-kalten Ausstellungsbungalow ein ruinöses Gebäude: Das ehemalige KGB-Gefängnis in der Potsdamer Leistikowstraße.
Bei strömendem Regen hatten sich einige Unerbittliche neben einem Protesttransparent versammelt, um mittels einer Mahnwache (10/11/12.Dezember) gegen die unzureichende Achtung vor den und Berücksichtigung der Zeitzeugen durch die Museums-Leitung zu protestieren. In der Tat hatte der Protest ein erstes Ergebnis: Im Bungalow versammelten sich Protestanten, Museumsleitung, Vereinsvorstand und ein leibhaftiger Staatssekretär aus dem Brandenburger Kultusministerium, um sich über die unterschiedlichen Standpunkte auszutauschen. Leidenschaft der einst Gepeinigten prallte auf geschäftsmäßige Aufzählung der zu bewältigenden baulichen und wissenschaftlichen Notwendigkeiten. Die verständliche Emotionalität auf der (einstigen) Opfer-Seite fand keinen Widerhall, dabei hätte ein wärmendes menschliches Wort das spürbare Eis brechen können.
Über einige Aspekte tauschte man sich so aus, der wichtigste Punkt wurde (wieder einmal) nicht angesprochen und somit nicht geklärt. Er beinhaltet die Frage nach der unterschiedlichen Bewertung erlittener Schicksale unter mörderischen Diktaturen. Nach wie vor zeigen sich die morschen, weil nicht haltbaren Gedanken einer Opfer-Klassifizierung in eine erste und zweite Klasse.
Und dass nach (zumindest politisch) weit verbreiteter Meinung die Opfer der zwölfjährigen Hitler-Diktatur erstklassig sind, verbleibt den Opfern der 40jährigen SED-DDR-Diktatur nur die zweite Klasse, die „natürliche“ Nachrangigkeit. Danach muss natürlich der Kampf der ruhmreichen Sowjetarmee, die sich der Hitler-Armee widersetzt und uns befreit hat, in einem derartigen Museum entsprechende Berücksichtigung finden.
Dabei hätte ein Blick in andere Einrichtungen genügt. Im ehemaligen NS-KZ Dachau, der heutigen weltweit bekannten Gedenkstätte, käme (und kam bisher) niemand auf die Idee, auf diesem Gelände auch die Verbrechen der DDR darzustellen, obwohl sich ja (zumindest ein zeitlicher) Kausalzusammenhang konstruieren ließe. Nein, im ehemaligen KZ geht es um die ausschließliche Darstellung Hitlerscher Verbrechen. Und im ehemaligen KGB-Gefängnis sollte es darum einzig um die Verbrechen des sowjetischen Geheimdienstes an tausenden unschuldiger Deutscher gehen. Alle anderen Überlegungen sind morsch, weil nicht haltbar. Da nutzen auch keine eher hilflosen Diffamierungen, nach denen Zeitzeugen die „schlimmsten Feinde der Historiker“ seien.
In der Leistikowstraße sah und sieht es bisher anders aus: Die Wissenschaft stellte sich hier als erklärter Feind emotional aufgewühlter Zeitzeugen dar, die befürchten, aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr allzu lang zur Verfügung stehen zu können. Und manchmal sah es so aus, als würden zumindest einige Teilnehmer gerade diesen Umstand geradezu als erleichternde Zukunftsperspektive sehen. Aber vielleicht sind auch dies nur morsche Gedanken…